Elo im Dialog: Englisch für die Q2

von Redakteur

Muttersprachliche Referentin Louise Carleton-Gertsch bringt UK und Shakespeare in der Fächerwoche an die Eleonorenschule

Die britische Referentin, Autorin und „Consultant for Digital and Learning“ Louise Carleton-Gertsch war eigens aus München angereist, um der jugendlichen Zuhörerschaft aktuelle Aspekte im Zusammenhang mit dem Vereinigten Königreich nahezubringen und sie dabei in muttersprachliches Englisch eintauchen zu lassen.

Die Frage, was „Britishness“ ausmacht, wurde dabei ebenso beleuchtet, wie die sozio-politischen Hintergründe des Brexit samt den jeweiligen Haltungen der betroffenen Staaten England, Schottland, Wales und Nordirland sowie den wirtschaftlichen Auswirkungen auf diese, aktuelle Entwicklungen und Einstellungen zum Thema „Immigration to and Multiculturalism in the UK“, das britische Königshaus und nicht zuletzt die Herausforderungen, denen sich das Vereinigte Königreich zwei Jahre nach Umsetzung des noch immer sehr kontrovers diskutierten Brexit, nach dem Tod der Queen und u.a. angesichts steigender Kosten, einer wirtschaftlichen Krise und des maroden britischen Gesundheitssystem NHS (National Health Service) gegenüber sieht.

Dabei verstand „Louise“, wie sie sich ihrem Publikum vorstellte, nicht nur, die Schüler*innen jederzeit einzubeziehen und immer wieder ihre eigenen Einschätzungen zu gesellschaftlichen oder politischen Entwicklungen auf Englisch verbalisieren zu lassen, sie vermittelte ihnen auch neue Begrifflichkeiten wie z.B. die des „Bregret“ (zusammengesetzt aus „Brexit“ und „Regret“), dem Bedauern über den Brexit.

Dem sehr informativen und bereits sehr dialogischen Vortrag schloss sich eine Fragerunde an, in deren Zuge die Jugendlichen unter anderem in Rückbezug auf das im Vortrag angesprochene britische Referendum zum Brexit hinterfragten, inwieweit dieses bei Einbeziehung einer jüngeren Wählerschaft anders ausgefallen wäre und sehr reflektiert und kontrovers diskutierten, ob eine Herabsetzung des „Voting Age“ auf 16 Jahre wünschenswert sei. Obgleich sich zu dieser Frage im Plenum der 16-18-Jährigen kein Konsens ergab, war doch klar ersichtlich, dass ein politisches Bewusstsein sowie gesellschaftliche Verantwortlichkeit innerhalb dieser Generation stark ausgeprägt und damit die Hoffnung der Referentin wohl begründet ist: “It is your generation that can bring about a change for the better“.

Nach einer Pause wurde das Publikum im zweiten Teil der Veranstaltung dann noch mehr gefordert: Ein Shakespeare-Workshop war angekündigt.

Ein Abrufen von Vorkenntnissen in Form des ersten Adjektivs, das jede/r spontan zum Namen „Shakespeare“ in den Sinn kam, ergab sehr schnell, dass die Mehrheit den sogenannten „Barden“ nicht mit packenden Inhalten in Verbindung bringt.

Einem informativen Teil zu William Shakespeares Biografie, Aspekten seiner Zeit, dem „Elizabethan Age“, und der Theaterkultur im 16. Jahrhundert folgte ein kurzer Überblick über sein Schaffen und seine nachhaltige Wirkung nicht nur auf die englische Sprache (nachzuweisen an zahlreichen von ihm geprägten Redewendungen), sondern auch auf die Literatur. So werden seine 37 Bühnenstücke auch mehr als vierhundert Jahre nach seinem Tod noch immer inszeniert und seine 154 Sonette noch immer gelesen, nicht zuletzt aufgrund der Zeitlosigkeit der vermittelten Themen wie Love, Jealousy, Death, Adultery, Ambition, Greed oder Conflict between Good and Evil.

Inwieweit Shakespeares Sprache eng am Puls der Zeit ist, vermittelte die Referentin u.a. durch kurze Videoclips, bei denen die Jugendlichen z.B. erraten mussten, ob eine Verszeile einem heutigen Hip-Hop-Song oder Shakespeares Feder zuzuschreiben ist. Rasch stellte sich heraus, dass dies nicht eindeutig zu ermitteln war, haben beide doch eines gemeinsam: „Rhythm“!

Rhythmus bei Shakespeare wurde denn auch erlebbar gemacht, indem die Schüler*innen den von Shakespeare oft angewendeten typisch jambischen Pentameter selber per Rezitation, Klopfen und Stampfen nachvollzogen.

Nun war die Zeit für eigene Dramatisierungsversuche gekommen: Während beim „Warming-Up“ zunächst nur gefordert war, gemäß bestimmter Rollenvorgaben zu gehen, galt es anschließend, paarweise Standbilder (freeze frames) zur berühmten Balkonszene in „Romeo and Juliet“ umzusetzen, wobei das Geschlecht der Darstellenden keine Rolle spielte, nur die Überzeugungskraft von deren Mimik, Gestik und Körperhaltung – eine Übung, auf die sich die Jugendlichen willig und ungeniert einließen.

Noch anspruchsvoller wurde es im nächsten Schritt, bei dem gefordert war, die Eingangsszene von „Macbeth“ und damit das Gespräch der „three weird sisters“ zu viert (ein/e Regisseur*in samt drei Hexen) dramatisch umzusetzen und dabei nicht nur das Publikum unmittelbar in Bann zu ziehen, sondern auch Aspekte zu berücksichtigen wie Sprechduktus, Position, Bewegungen, Abgang u.a. Hier wurde den Schüler*innen viel Vorstellungskraft abverlangt, umso mehr als die sommerlichen Temperaturen es nicht leicht machen, sich in den dramatischen Schauplatz – ein gewitterumtostes schottisches Moor – hineinzuversetzen. Jedoch meisterten die meisten Teilnehmer*innen auch diese Aufgabe überzeugend und mit viel Improvisationsgeschick und erfuhren dabei die Überzeitlichkeit von bestimmten menschlichen Motivationen wie Liebe, Eifersucht oder Gehässigkeit am eigenen Leibe.

Der Shakespeare-Workshop gipfelte denn auch in der Erkenntnis, die schon 2016, beim vierhundertsten Jubiläum von Shakespeares Todesjahr, als Motto diente: „Shakespeare still lives“ oder wie Ben Johnson bereits 1623 konstatierte: „Shakespeare was not of an age but for all time.“

Insgesamt war die knapp vierstündige englischsprachige Veranstaltung geprägt von Informationsdichte bei gleichzeitiger Kurzweiligkeit und einem hohen Grad von Interaktion zwischen Referentin und jugendlichem Publikum. Mitgenommen haben die Schüler*innen dabei außer Einblicken in die beiden sehr anregend vermittelten Themen sicherlich auch eine weitere Erkenntnis, die sich nicht nur auf Shakespeare oder das Vereinigte Königreich beziehen lässt und die Louise Carleton-Gertsch ihrem Publikum abschließend mit auf den Weg gab: „Don’t be afraid to engage!“

Christina Waltz

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